Aktuelles &Neuigkeiten

Gewinn des Deutschen Amateurtheaterpreises amarena 2020!

geschrieben am 14. September 2020

Juchhu! Die Fränkischen Passionsspiele Sömmersdorf haben den Deutschen Amateurtheaterpreis amarena 2020 in der Kategorie „Theater ist Leben“ gewonnen!

Eigentlich sollte das amarena-Festival des BDAT (Bund Deutscher Amateurtheater) dieses Jahr in Friedrichshafen stattfinden. Coronabedingt wurde das Programm digital umgesetzt; z.B. wurden die  Theaterstücke der verschiedenen Preisträgergruppen live gestreamt oder Theaterworkshops und Gesprächsrunden über Webkonferenztools umgesetzt.

Bereits im Februar hatte sich der Verein u.a. per Kurzvideo beworben und wurde  mit zwei weiteren Theatergruppen für den Preis nominiert. Es folgten ein ausführliches Bewerbungsvideo und ein spannendes viertägiges Online-Voting.

Am Samstag Abend, 12. September 2020, war es dann soweit: In der amarena-Abschlussgala, die live per Stream übertragen wurde, wurden die Fränkischen Passionsspiele Sömmersdorf als Siegergruppe in der Kategeorie “Theater ist Leben!” verkündet. Der Verein hatte sich zuvor überlegt, an diesem Abend eine eigene “echte”, nicht-digitale, Theatergala zu veranstalten – egal, ob nun der erste, zweite oder dritte Platz belegt würde.

Zur Sömmersdorfer Theatergala kamen etwa 120 Zuschauer, die per ausgefeiltem Hygienekonzept die Liveübertragung und das Programm vor Ort verfolgten. Hierzu wurde ein zuvor produziertes Dankeschön-Video gezeigt, mehrere Liveschalten zu Regie und Mandatsträgern hergestellt und die Sömmersdorfer Heimatkapelle spielte. Auch wurde die Vorfreude auf die nächste Produktion des Vereins in 2021, Robin Hood, mit einem neuen Trailer befeuert, und die Zuschauer mit einem Feuerwerk am Ende der Sömmersdorfer Theatergala überrascht.

Vielen Dank all denen, die fleißig abgestimmt haben! Hier können Sie unser Gewinnervideo auf YouTube ansehen.

 


Stimmen Sie ab für die Fränkischen Passionsspiele Sömmersdorf!

geschrieben am 6. September 2020

Die Fränkischen Passionsspiele Sömmersdorf sind nominiert für den Deutschen Amateurtheaterpreis amarena 2020 in der Kategorie “Theater ist Leben”! Die Auszeichnung wird alle zwei Jahre vom Bund Deutscher Amateurtheater (BDAT) verliehen.

In der Kategorie „Theater ist Leben!“ sind neben den Fränkischen Passionsspielen Sömmersdorf e.V. zwei weitere Amateurtheater nominiert.

******** Vom 07. (Montag) bis zum 10.09. um 19 Uhr (Donnerstag) findet das Onlinevoting statt, durch welches der Sieger in dieser Kategorie gekürt wird. Wir würden uns freuen, wenn Sie die Fränkischen Passionsspiele Sömmersdorf mit Ihrer Stimme unterstützen! Weitere Infos und das Votingformular finden Sie unter www.bdat.info/amarena-digital ********

Coronabedingt findet das amarena-Festival dieses Jahr online statt. Klicken Sie sich hier zum kompletten Programm – viele Veranstaltungen sind frei zugänglich und auf YouTube finden Sie die Inszenierungen der bereits feststehenden amarena-Preisträgergruppen.

 

 


Fränkische Passionsspiele Sömmersdorf sind immaterielles Kulturerbe

geschrieben am 8. April 2020

Seit Anfang April steht fest: Die Fränkischen Passionsspiele Sömmersdorf sind neu im Bayerischen Landesverzeichnis des Immateriellen Kulturerbes der UNESCO!

Die Freude bei den Vereinsverantwortlichen über diese besondere Auszeichnung ist entsprechend groß. Der Auszeichnung war eine umfangreiche Bewerbung vorangegangen, die im Herbst des letzten Jahres eingereicht wurde.

Im Schreiben des Bayerischen Heimat- und Finanzministers Albert Füracker heißt es dazu „Die Aufnahme [in das Bayerische Landesverzeichnis] ist dabei auch ein Zeichen der Wertschätzung und Anerkennung für den persönlichen Einsatz im Zusammenhang mit dem Erhalt und der Weitergabe von Traditionen. Dieses Engagement ist Ausdruck gelebter Heimatverbundenheit und leistet einen wertvollen Beitrag zum Erhalt der kulturellen Vielfalt in Bayern.“

Seit 2003 stellt die UNESCO immaterielle kulturelle Ausdrucksformen in den Fokus der Öffentlichkeit. Überall auf der Welt sollen überliefertes Wissen und Können sowie Alltagskulturen sichtbar gemacht, erhalten und gefördert werden. Bis heute sind 178 Staaten dem UNESCO-Übereinkommen zur Erhaltung des Immateriellen Kulturerbes beigetreten. Deutschland ist seit 2013 Vertragsstaat. Neben dem Bundesweiten Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes gibt es in Bayern ein eigenes Landesverzeichnis, das nun 54 Eintragungen enthält. (Weitere Infos finden Sie hier.)

Die feierliche Übergabe der Aufnahmeurkunde wird im Rahmen eines Festaktes zu späterer Zeit stattfinden.

Hier finden Sie das komplette Bayerische Landesverzeichnis des Immateriellen Kulturerbes.

 


Nominierung beim Deutschen Amateurtheaterpreis amarena 2020

geschrieben am 27. März 2020

Die Fränkischen Passionsspiele Sömmersdorf sind nominiert für den Deutschen Amateurtheaterpreis amarena 2020!

Die Auszeichnung wird alle zwei Jahre vom Bund Deutscher Amateurtheater (BDAT) verliehen. In diesem Jahr sind insgesamt 167 Bewerbungen in fünf Kategorien eingegangen.

Die Fränkischen Passionsspiele Sömmersdorf e.V. bewarben sich in der Kategorie „Theater ist Leben!“, die im Rahmen des Bewerbungsverfahrens so beschrieben wird: „Amateurtheater ist nah am Menschen. Es findet vor Ort statt und erzählt oftmals nicht nur Geschichten auf der Bühne, sondern wird vielmehr Teil der Lebensgeschichten der Beteiligten. Ein hoher Grad an sozialem Engagement, kultureller Bildung und ein gemeinsames Miteinander über Generationsgrenzen hinweg erzeugt viel mehr als die einzelne Inszenierung jemals zeigen könnte. Wir suchen Amateurtheaterbühnen, die uns von diesem Miteinander berichten […].“

Beworben wurde sich mit der Vorstellung von Vereinsmitgliedern und ihrer Beziehung zum Theaterspiel sowie einem kurzen Video, welches u.a. Szenen aus den Stücken “Don Camillo und das rothaarige Mädchen” (2016) und der letzten Passionsaufführung (2018) zeigte.

In der Kategorie „Theater ist Leben!“ sind neben den Fränkischen Passionsspielen Sömmersdorf e.V. noch zwei weitere Amateurtheater nominiert. Das Preisträgerfestival, in dem sich die nominierten Theatergruppen kurz vorstellen, und per Publikumsvoting der Sieger gekürt wird, findet voraussichtlich im September 2020 statt.

Die offizielle Pressemitteilung des BDAT finden Sie hier.

 

 


Das Jesus-Quintett

geschrieben am 28. Juli 2018

Dieser Jesus ist anders als damals: Ein Mensch, der vor Zorn brüllt und vor Angst weint, kein Heiliger, keine andächtig-entrückte Hoheit. In den 85 Jahren Fränkische Passionsspiele haben sieben Männer aus Sömmersdorf (Lkr. Schweinfurt) die Figur unterschiedlich dargestellt. Fünf von ihnen leben noch und spielen in dieser Saison bis 19. August auf der größten Freilichtbühne Nordbayerns mit.

Die Seiten gewechselt hat allerdings der älteste von ihnen, Karlheinz Grünewald. Jetzt mimt der 64jährige nicht mehr den Erlöser wie zwischen 1978 und 2003, sondern einen, der Verderben bringt: Ammon, ein Mitglied des Hohen Rats, der den Nazarener sterben sehen will. Dem Laienspieler selbst waren der Tod auf der Bühne und der vorherige Leidensweg zu anstrengend geworden.

„Ich habe mit 49 Jahren noch den Jesus gespielt, das war physisch die Grenze“, denkt der Elektromeister an die Kreuzigung, bei der er 20 Minuten auf einer kleinen Plattform stehend mit ausgebreiteten Armen ausharren musste. Oder an die Geißelung: „Das war schlimm, damals war ich mit hochgestreckten Armen an einen Pfosten gebunden und wenn der Soldat am Strick gezogen hat, bin ich runtergefallen“.

Auch heute bedeutet diese Szene eine Strapaze für die Jesus-Darsteller Stefan Huppmann und Tobias Selzam, auch wenn sie jetzt zwischen zwei Pfosten hängen und noch 40 beziehungsweise 39 Jahre jung sind. Anstrengend ist und war auch der Kreuzweg, bei dem der Christus-Spieler das 25 Kilo schwere Holzkreuz über die Bühne schleppt und hinfällt. Schmerzen und blaue Flecken gehören dazu.

Von Natur aus ist Grünewald ein ruhiger, zurückhaltender Typ, „eher ein sanfter Jesus“, sagt er von sich. Seit diese Hauptrolle doppelt besetzt wird, seit 1978, spielen meist zwei gegensätzliche Charaktere diese Figur, sinniert er. Jedenfalls war sein Wechselspieler in den Jahren 1988, 1993 und 1998, Dieter Müller, eher der starke, selbstbewusste Anführer, der Revoluzzer: feste Stimme, schwarze Haare, schwarzer Bart.

„Laut und deutlich“ sei damals seine Sprache gewesen, erinnert sich der 52jährige an ein mikrofonloses Schauspiel. Heute dagegen schluchzen, flüstern und weinen die beiden Hauptdarsteller auf sehr menschliche Weise, beispielsweise in der Verzweiflung der Ölbergszene. So wie jeder Mensch reagieren würde und so wie das Regie-Duo Marion Beyer und Hermann Vief die Emotionen sehen will.

Im Typ sind der Berufschullehrer Tobias Selzam und der gelernte Schreiner Stefan Huppmann ebenfalls ein Gegensatz-Paar, „wie Erde und Feuer“, meint Selzam. Während Stefan „geerdet und fest wie ein Baum“ als Jesus stehe, sei er eher beweglicher, unstet, „vielleicht auch sanfter“.

Allerdings nicht so welt-entrückt wie sein Urgroßvater Josef Nuss: Der mimte 1933 und 1934 in den ersten Sömmersdorfer Passionsspielen vor dem Verbot durch die Nationalsozialisten den Jesus. „Dem Christusdarsteller ist die mit Sanftmut gepaarte Hoheit seines Vorbildes zur zweiten Natur geworden“, schrieb damals der Bayerische Staatsanzeiger.

Nach der Wiederaufnahme des Theaterstücks 1957 schlüpfte Josefs Sohn Rudi Nuss bis 1983 in die Rolle. Er und sein Vater Josef sind inzwischen gestorben. Für Rudi Nuss‘ Auferstehung hatte sich Regisseur Guido Halbig, der bereits vor dem Krieg das Drama inszeniert hatte, etwas Spektakuläres ausgedacht: Eine Feuersäule.

Vor dem Grab‚ damals nur ein Vorhang auf einer Bretterbühne, harrten vier Wächter am Lagerfeuer aus. Ein Rohr führte am Boden hinter den Vorhang, wo Jesus auf seine Auferstehung wartete. Von dort aus wurde Magnesium durch das Rohr ins Lagerfeuer geblasen, es gab eine Stichflamme, die Wächter fielen um, der Vorhang öffnete sich und Jesus stand da: im knappen, weißen Gewand, eine Siegesfahne in der Hand.

Nach einer Vorstellung 1978 kritisierte aber ein Pfarrer diese Auferstehung, denn mit Feuer komme nur der Satan. Von da an gab es einen Styroporfelsen, der beim Antippen umfiel und den Blick auf den Auferstandenen frei gab. Dazu kam vom Band das „Halleluja“ von Händel.

„Das muss man aus der Zeit heraus verstehen“, erklärt Grünewald, aus der damaligen Vorstellungswelt und der stärker verbreiteten Religiosität. Die Zuschauer, damals immerhin 20000 in jeder Spielsaison, waren jedenfalls angetan. Heute lassen sich 35000 begeistern.

Ganz anders und ziemlich bunt waren früher auch die Kostüme gehalten: Jesus trug ein weißes Gewand mit weinroter Scherpe, „elegant und akkurat“, erinnert sich Dieter Müller. Gegenüber der heutigen hellen Tunika eine edle Kleidung.

Dem früheren Jesus-Spieler, der jetzt ebenfalls im Hohen Rat als Schreiber Natanael auftritt, ist jene Szene in Erinnerung geblieben, als er 1998 am Kreuz hängend von einer Bremse in die linke Brust gestochen wurde. Als eigentlich schon toter Christus zuckte er unwillkürlich und versuchte noch, das Insekt wegzublasen, aber die Fliege stach ein zweites Mal schmerzhaft zu.

Durch das reflexartige Zucken riss die rechte Handmanschette, mit der der Arm am Kreuz aufgehängt ist. Mit drei Finger hielt sich Müller krampfhaft am Querbalken fest, überstand die Zeit und konnte spielkonform vom Kreuz abgenommen werden.

Mit jedem Regisseurwechsel gab es Veränderungen: Text, Sprache, Kostüme, Kulissen, neue Szenen. Mit 14 Aufzügen in vier Stunden begann 1933 das Passionsspiel, heute hat es 20 Szenen plus Prolog und Epilog in drei Stunden.

„Das Abendmahl war damals noch nach dem Vorbild des Da Vinci-Gemäldes“, denkt Volker Rückert an eine eher statische Szene seiner beiden Jesus-Jahre 2003 und 2008. „Früher war der Jesus mehr eine andächtige Heiligenfigur, jetzt ist er eher der Kumpel“.

Bewegung, Gestik, Aussprache veränderten sich, locker und emotionaler agiere er jetzt. Das heutige Abendmahl wird nicht mehr im Bühnenhaus gefeiert, sondern im Freien unter einem Zeltdach. Und die Auferstehung wird der Phantasie des Zuschauers überlassen: In der Gärtner-Szene begegnet Jesus der Jüngerin Maria Magdalena.

Für den Maschinenschlosser Rückert war es „schon eine Ehre, den Jesus spielen zu dürfen“, bekennt der leidenschaftliche Theaterspieler. Gläubiger sei er dadurch zwar nicht geworden, lächelt er. Aber besondere Momente habe es immer gegeben, eine Ergriffenheit etwa am Ende des Stücks. Oder als 2003 seine Tochter am Morgen geboren wurde, „und abends hing ich wieder am Kreuz“. Heuer zieht Rückert als Petrus mit Jesus durchs Land.

Der wird zum dritten Mal von seinem Sandkastenfreund Stefan Huppmann dargestellt. „Die Apostel sind jetzt lauter Jüngere“, erzählt dieser. „Wir haben eine tolle Stimmung in der Truppe“. Was das Ganze noch runder mache, noch „cooler“. Wie übrigens alle hinter der Bühne freundlich seien. „Das ist eigentlich das Besondere hier“.

Wenn sein Wechselspieler Tobias Selzam ihn als „geerdet“ bezeichnet, als unerschütterlich, dann charakterisiert er diesen als jemanden, der leichter Gefühle transportieren könne. „Jeder macht es anders, wir kopieren hier nicht“.

 

Text: Silvia Eidel, freie Journalistin

 

 


Maria, ihr Mann Pilatus und Satan, der Sohn

geschrieben am 12. Juli 2018

Fünf Jesus-Söhne hat Susanne Mergenthal als Maria in 30 Jahren schon beweint. Auch mit dem Rest ihrer Familie ist es nicht so einfach: Der Mann agiert als Jesus-Verurteiler Pilatus, der „echte“ Sohn als Satan, der Schwiegersohn zieht als Apostel mit dem Nazarener durchs Land und die zwei Töchter nebst Enkelin spielen im jüdischen Volk mit. Eine Sömmersdorfer Familie, die sich wie viele andere für die Fränkischen Passionsspiele engagiert.

Zum siebten Mal steht Susanne Mergenthal in diesem Sommer als Mutter Jesu auf der Freilichtbühne. „Ich hab‘ die Maria zum ersten Mal mit 27 Jahren gespielt“, erinnert sie sich an 1988, ein Jahr nach ihrer Heirat mit Dieter Mergenthal und ihren Umzug ins Passionsspieldorf. „Ich war sogar jünger als die beiden Jesus-Spieler“, lacht sie. „Die Falten haben sie mir damals noch geschminkt, heute sind sie echt“, schmunzelt die 57jährige.

Damals wie heute bestimmten die professionellen Regisseure, wer von den Sömmersdorfer Laien welche Rolle bekommt. Und wie die Kostüme aussehen. „Früher hatte ich so eine Art ‘Lourdes‘-Kostüm, mit weißem Gewand und blauem Tuch“, erinnert sich Susanne Mergenthal. 2008 ähnelte ihre Bühnen-Kleidung dann einer Nonnentracht.

„Der große Umbruch kam 2013 mit unseren heutigen Regisseuren“, verweist sie auf Hermann J. Vief und Marion Beyer, die in diesem Jahr ihre zweiten Passionsspiele in Sömmersdorf inszenierten. Als Maria trägt sie jetzt ein schlichtes graues Gewand mit hellgrauem Kopftuch. „Maria war eine Frau aus dem Volk, die ihre Arbeit erledigt, die sich um ihre Familie kümmert. Warum sollte sie ein Madonnengewand tragen?“, erklärt Susanne Mergenthal ihre Rolle, die sie sich mit der zweiten Darstellerin Susanne Brembs teilt.

Verändert hat sich auch der Anspruch der Regie, so authentisch wie möglich die Gefühle dieser Mutter wiederzugeben. „Das soll nicht gespielt sein, die Emotionen sollen echt sein“, erklärt die Laien-Spielerin. „Ich stelle mir vor, dass dieser Jesus mein Sohn ist, mein eigenes Kind“. Weil sie noch dazu von Natur aus ein emotionaler Mensch sei und ihre Gefühle nach außen trage, könne sie auch über den Tod Jesu wirklich weinen. Die Zuschauer erleben ihre Trauer mit, fühlen ihr nach und lassen sich ebenfalls berühren.

Als zwar machtbewusster, aber durchaus zweifelnder römischer Statthalter Pontius Pilatus steht Susannes Mann Dieter Mergenthal auf der Bühne, immer im Wechsel mit Vereinsvorsitzendem Robert König. Der gebürtige Sömmersdorfer Mergenthal führt selbstverständlich die Familientradition fort, auch seine Eltern spielten die Passion schon mit. So wie „Opa Hugo“ war auch Dieter Mergenthal früher im Hohen Rat dabei.

Neben seinem Beruf als Bilanzbuchhalter engagiert sich der 56jährige im Vorstand des Vereins Fränkische Passionsspiele Sömmersdorf, ab 1978 als damaliger Jugendvertreter, seit 2002 als Kassier. „Gerade in diesem Jahr war wegen der Bauarbeiten unheimlich viel zu tun“, sagt er. Das bedeutete für alle Verantwortlichen viele Vorstandssitzungen, viele Entscheidungen und für den Kassier viel Arbeit im Büro.

Sohn Marius verkörpert als Satan im schwarzen, enganliegenden Kostüm und mit diabolischem Blick das personifizierte Böse. Schon als Vierjähriger durfte er 1998 beim Passionsspiel auf die Bühne: als eines der spielenden Kinder. Mit neun durfte er dann das Holzschwert schwingen, mit 13 blies der junge Trompetenspieler live die Fanfare beim Auftritt des Pilatus. 2013 folgte er Jesus als Jünger Johannes, bevor der 24jährige Wirtschaftsinformatiker heuer als Satan beeindruckt.

Auch seine Schwestern waren von klein auf dabei. Die älteste, die 28jährige Lena, brachte nach ihrer Hochzeit ihren Mann Simon Kübler mit nach Sömmersdorf und mit zum Passionsspiel. Er begleitet heuer Jesus als Apostel Matthäus und hat sich natürlich einen Bart stehen lassen. Mit der kleinen Tochter Rosa spielt Lena ebenso im Volk mit wie ihre jüngere Schwester Anna.

Die 26jährige Sonderpädagogin wohnt zwar mittlerweile in Gochsheim, darf aber als gebürtige Sömmersdorferin mitmachen, diesmal im Volk, früher als Herodesdame und ganz früher als strickendes Mädchen bei den „spielenden Kindern“.

Die ganze Familie schätzt das Zusammensein während der Spielsaison. „Man trifft da auch die Leute, die man nicht mehr so oft sieht“, meint Anna. „Oder neu Hinzugezogene, die Anschluss im Dorf suchen“, ergänzt die Mutter. Sie gibt aber zu, dass das Gesamtpaket – mit Beruf, Familie und mit ihren Gästeführungen – schon strapaziös ist. „Es ist eine Aufgabe“, sagt sie. „Aber eine lohnenswerte“.

 

Text: Silvia Eidel, freie Journalistin

 


Mittendrin statt nur dabei

geschrieben am 25. Juni 2018

Copyright: Silvia Eidel

Das war echt! Die Schauspieler der Fränkischen Passion, allesamt Laien, nahmen die Premierenbesucher mit hinein in die Geschichte vom Leben und Sterben Jesu, ließen sie mitleiden und mitweinen. Heimliches Augenwischen bei den Zuschauern, bevor sie mit stürmischem Beifall nicht nur die professionelle spielerische Leistung, sondern das Gesamtpaket „Passionsspiele Sömmersdorf“ belohnten.

Eine Punktlandung war den Machern aus dem Verein gelungen: Das neue mächtige Dachgewölbe aus Stahl und Zeltmembran war soweit fertig. Auch wenn, wie Vereinsvorsitzender Robert König bei seiner Begrüßung scherzhaft meinte: „Es fehlen noch drei Schrauben“, was die Augen der Zuschauer nach oben gleiten ließ. Beeindruckend wölbte sich elf Meter über ihren Köpfen eine ästhetische Stahlkonstruktion, die mit etlicher Verzögerung erst seit Dezember gebaut wurde. Und die die Nerven aller Beteiligten extrem strapaziert hatte. Aber das gelungene Ergebnis versöhnte die Verantwortlichen.

Rund um das Gelände der Freilichtbühne und am Pausenplatz hatten noch am Vortag der Premiere 50 freiwillige Helfer gewerkelt, Kies verteilt, ein Beduinenzelt aufgestellt, Sackleinen gespannt, Sitzgelegenheiten mit Orientteppichen aufgebaut. Die Zuschauer sollten sich schon beim Betreten in das Heilige Land versetzen lassen, so die Absicht.

Dazu trugen auch stilechte Speisen und Getränke bei: etwa die Sinai-Pfanne aus Hackbällchen mit Datteln und Schafskäse oder die Hermon Schale, vegetarisch, mit Bulgur, Kichererbsen, Gemüse und speziellen Gewürzen. Die Werntal-Metzgerei Hemmerich hatte sich ganz auf das Passionsspiel eingelassen. Dazu mundete ein Magdala-Rotwein oder Nazarener-Weißwein.

Beeindrucken ließen sich die Zuschauer auch vom opulenten Bühnenbild einer 2000 Jahre alten Stadt Jerusalem. Dort begann und endete mit einem Prolog und Epilog in der Gegenwart auch diese „spannende Geschichte von Jesus“, die eine Lehrerin ihren Schulkindern vermittelte. Gerade über diese Einbindung der Passion in das Heute, mit vielen Kindern, freute sich auch Bayerns Landtagspräsidentin Barbara Stamm.

Sie war der höchstrangige Ehrengast der Premiere und sie hatte, wie sie beim Empfang nach der Vorstellung betonte, seit Jahrzehnten kein Passionsspiel in Sömmersdorf versäumt. Und die ständigen Veränderungen miterlebt. „Diesmal war ja ganz aktuell auch die Flüchtlingsproblematik thematisiert“, stellte sie mit Verweis auf die neue Szene der Frau aus Samaria fest.

Nicht nur das hatten die beiden Regisseure Marion Beyer und Hermann J. Vief verändert. Sie hatten auch die Träger der doppelt besetzten Hauptrollen vorangebracht, hatten sie in monatelangen, anstrengenden Proben in ihrer Ausdrucksstärke gesteigert. In der Premierenbesetzung überzeugten beispielsweise Jesus (Tobias Selzam), Maria (Susanne Mergenthal), Magdalena (Laura Beyer), Judas (Frank Greubel), Petrus (Marcel Martschoke), Johannes (Stefan Stark), Satan (Marius Mergenthal), aber auch der Hohepriester Kajaphas (Norbert Mergenthal) oder die drei Händler das Publikum restlos.

Genauso beeindruckend erlebte dieses die Massenszenen, etwa beim Einzug Jesu in Jerusalem, bei der Vertreibung der Händler aus dem Tempel oder beim Kreuzweg. Die Sömmersdorfer verkörperten dieses jüdische Volk leidenschaftlich. „Da ist mir ganz bewusst aufgefallen, wie nah ein ‚Hosianna‘ und ein ‚Kreuzige ihn‘ beieinander liegen“, meinte hinterher Barbara Stamm vieldeutig.

Action und Bewegung wechselten sich im Theaterstück ab mit ruhigen, nachdenklichen Szenen. Die live gespielte Musik der beiden Komponisten Martin Kleiner und Hans-Jürgen Beyer unterstrich das Geschehen, setzte Akzente und versetzte Schauspieler und Zuschauer mitten hinein in das Drama. Äußerst berührend untermalte zudem die Stimme der Sängerin Franziska Fasel aus dem benachbarten Oberwerrn die Stimmung.

Dank neuer Tontechnik, sichtbar über zwei riesige Bananen-Lautsprecher unterm Dach, kamen die Geräusche perfekt beim Zuschauer an. Für atmosphärische Bilder, etwa bei der Ölbergszene, aber auch beim Treffen des Hohen Rats, sorgte die neue LED-Leinwand in der Innenbühne.

Glücklich, dankbar und stolz, dass die erste von 18 Vorstellungen so gelungen war, zeigte sich beim anschließenden Empfang Vereinsvorsitzender Robert König. Alle prominenten Vertreter aus der Politik, Kirche und Verbänden waren sich einig, dass das Fränkische Passionsspiel Sömmersdorf nicht nur einmalig in Unterfranken ist, sondern „in einer Liga mit anderen Passionsorten spielt“, wie Landrat Florian Töpper sagte. Er würdigte ausdrücklich den Vereinsvorsitzenden König und dessen Mut, der belohnt werde.

Angesichts sich abzeichnender Mehrkosten für die Überdachung erklärte Bayerns Innenstaatssekretär Gerhard Eck: „Wir werden die Sömmersdorfer nicht im Stich lassen“. Gemeinsam mit Barbara Stamm, die auf ihren spontanen Wunsch hin als Mitglied in den Passionsspielverein aufgenommen wurde, lud er „eine größere Delegation“ nach München ein.

„Die einzigartige Entwicklung in Sömmersdorf“ thematisierte Euerbachs Bürgermeister Arthur Arnold. Er appellierte an die gemeinsame Verantwortung, die aus „dieser wunderbaren Passion, die unsere Herzen berührt“, entsteht. Angesichts so vieler Dank- und Lobreden blieb den Sömmersdorfern nur, glücklich zu feiern.

Text: Silvia Eidel, freie Journalistin

 


Arbeit bis zum letzten Tag

geschrieben am 14. Juni 2018

Copyright: Mark Kreuzinger

 

Die sechste und letzte Plane für das neue Zuschauerdach am Passionsspielgelände ist hochgezogen und ausgebreitet. Jetzt muss sie noch jeden Tag ein bisschen mehr gespannt werden. Bis zum letzten Tag vor der Premiere der Fränkischen Passionsspiele am 24. Juni werden die Arbeiter in luftiger Höhe zu tun haben. Auch andere Restarbeiten am Platz müssen bis dahin noch fertig werden.

Das Hochhieven der letzten tonnenschweren Zeltmembran mit der Hebebühne hat es in sich. Denn die neu gebaute Technikkabine am hinteren Platzende und die dortige Robert-Seemann-Halle, über die das Zuschauerdach ragt, erschweren eine ideale Position für das Gerät. Über einen Freiraum in der Stahlkonstruktion des gewölbten Daches wird die Plane nach oben gehoben, dort nach beiden Seiten aufgeklappt und heruntergezogen. Dann breiten die Arbeiter die Plane zur Seite über das ganze Feld aus, damit sie zunächst vorläufig und windfest gespannt werden kann.

Die Endspannung, „auf Systempunkt“, wie Hans-Peter Steitz, Vorarbeiter der ausführenden Firma Velabran erklärt, erfolgt Tag für Tag. Denn das Material dehnt sich noch durch die Witterungseinflüsse. Um zwischen den sechs Planen-Feldern auch die stählernen Quertraversen zu überspannen, damit die Zuschauer darunter bei Regen nicht nass werden, werden noch Abdichtungen, sogenannte „Closer Flaps“, von oben her aufgeschweißt. Dazu müssen die Männer auf die Zeltmembran klettern. Noch fehlen an den unteren Querstreben der Stahlkonstruktion zudem die Regenableitungen hin zu den Fundamentstützen. Auch die schiebbaren Seitenwände rechts und links des Zuschauerplatzes müssen noch angebracht werden. „Nächste Woche“, meint Velabran-Mitarbeiter Uwe Kueres.

Unterdessen sind etliche freiwillige Helfer aus Sömmersdorf dabei, weitere Sitzreihen aus dem Lager unter dem Bühnenhaus zu holen und zu montieren. Weil sich die Platzgröße durch den Dachbau veränderte auf etwa 45 mal 40 Meter, müssen die 1920 Sitzplätze neu ausgerichtet, tausende von Löcher für die Befestigung im Betonboden neu gebohrt werden. „Wir können aber noch nicht alle Sitzschalen aufstellen, weil die ja noch mit der Hebebühne arbeiten müssen“, deutet ein Helfer auf die Dachprofis.

Copyright: Silvia Eidel

Permanent klingt aus den Lautsprechern eine Test-Ansage über den Platz. „Achtung, Achtung“, schallt es durch das Gelände. Die Alarmierung und alle sicherheitstechnischen Anlagen, wie die Brandmeldeanlage, die Sicherheitsbeleuchtung und der Blitzschutz werden gerade vom Prüfsachverständigen Johannes Pfennig vom TÜV-Süd kontrolliert. Begleitet von Marco Walter von der Elektrofirma Schneider überprüft er die Ausführung der Einrichtungen. Dazu gehören auch die Messungen des Lautstärkepegels, der Sprachverständlichkeit und der Beleuchtung, die aber erst am Abend an der Reihe ist. „Das sind Standard-Anforderungen nach der Versammlungsstättenverordnung“, erklärt der TÜV-Fachmann.

Drei Männer von der Firma Gerd Schottroff bohren Pfostenlöcher in den Boden. Das Bühnengelände muss noch eingezäunt werden, etwa 65 Meter Zaun angebracht werden. Der Betonmischer brummt. Fotos von den letzten Arbeiten schießt Architekt Michael Theiss. „Nächste Woche ist Bauabnahme“, sagt er. Allerdings habe es schon einen Vorab-Termin gegeben. „Es hat alles gepasst“.

Beim Blick nach oben fällt ein Taubenpärchen auf, das sich im Stahlgerüst des Daches ein Nest gebaut hat. „Das muss noch entfernt werden“, meint er. Und auch für künftige Niederlassungswünsche dort muss man sich noch was einfallen lassen.

 

Text: Silvia Eidel, freie Journalistin

 

 


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Die Fränkischen Passionsspiele Sömmersdorf wurden 2020 ins bayerische Landesverzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen

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