Copyright: Silvia Eidel

Das war echt! Die Schauspieler der Fränkischen Passion, allesamt Laien, nahmen die Premierenbesucher mit hinein in die Geschichte vom Leben und Sterben Jesu, ließen sie mitleiden und mitweinen. Heimliches Augenwischen bei den Zuschauern, bevor sie mit stürmischem Beifall nicht nur die professionelle spielerische Leistung, sondern das Gesamtpaket „Passionsspiele Sömmersdorf“ belohnten.

Eine Punktlandung war den Machern aus dem Verein gelungen: Das neue mächtige Dachgewölbe aus Stahl und Zeltmembran war soweit fertig. Auch wenn, wie Vereinsvorsitzender Robert König bei seiner Begrüßung scherzhaft meinte: „Es fehlen noch drei Schrauben“, was die Augen der Zuschauer nach oben gleiten ließ. Beeindruckend wölbte sich elf Meter über ihren Köpfen eine ästhetische Stahlkonstruktion, die mit etlicher Verzögerung erst seit Dezember gebaut wurde. Und die die Nerven aller Beteiligten extrem strapaziert hatte. Aber das gelungene Ergebnis versöhnte die Verantwortlichen.

Rund um das Gelände der Freilichtbühne und am Pausenplatz hatten noch am Vortag der Premiere 50 freiwillige Helfer gewerkelt, Kies verteilt, ein Beduinenzelt aufgestellt, Sackleinen gespannt, Sitzgelegenheiten mit Orientteppichen aufgebaut. Die Zuschauer sollten sich schon beim Betreten in das Heilige Land versetzen lassen, so die Absicht.

Dazu trugen auch stilechte Speisen und Getränke bei: etwa die Sinai-Pfanne aus Hackbällchen mit Datteln und Schafskäse oder die Hermon Schale, vegetarisch, mit Bulgur, Kichererbsen, Gemüse und speziellen Gewürzen. Die Werntal-Metzgerei Hemmerich hatte sich ganz auf das Passionsspiel eingelassen. Dazu mundete ein Magdala-Rotwein oder Nazarener-Weißwein.

Beeindrucken ließen sich die Zuschauer auch vom opulenten Bühnenbild einer 2000 Jahre alten Stadt Jerusalem. Dort begann und endete mit einem Prolog und Epilog in der Gegenwart auch diese „spannende Geschichte von Jesus“, die eine Lehrerin ihren Schulkindern vermittelte. Gerade über diese Einbindung der Passion in das Heute, mit vielen Kindern, freute sich auch Bayerns Landtagspräsidentin Barbara Stamm.

Sie war der höchstrangige Ehrengast der Premiere und sie hatte, wie sie beim Empfang nach der Vorstellung betonte, seit Jahrzehnten kein Passionsspiel in Sömmersdorf versäumt. Und die ständigen Veränderungen miterlebt. „Diesmal war ja ganz aktuell auch die Flüchtlingsproblematik thematisiert“, stellte sie mit Verweis auf die neue Szene der Frau aus Samaria fest.

Nicht nur das hatten die beiden Regisseure Marion Beyer und Hermann J. Vief verändert. Sie hatten auch die Träger der doppelt besetzten Hauptrollen vorangebracht, hatten sie in monatelangen, anstrengenden Proben in ihrer Ausdrucksstärke gesteigert. In der Premierenbesetzung überzeugten beispielsweise Jesus (Tobias Selzam), Maria (Susanne Mergenthal), Magdalena (Laura Beyer), Judas (Frank Greubel), Petrus (Marcel Martschoke), Johannes (Stefan Stark), Satan (Marius Mergenthal), aber auch der Hohepriester Kajaphas (Norbert Mergenthal) oder die drei Händler das Publikum restlos.

Genauso beeindruckend erlebte dieses die Massenszenen, etwa beim Einzug Jesu in Jerusalem, bei der Vertreibung der Händler aus dem Tempel oder beim Kreuzweg. Die Sömmersdorfer verkörperten dieses jüdische Volk leidenschaftlich. „Da ist mir ganz bewusst aufgefallen, wie nah ein ‚Hosianna‘ und ein ‚Kreuzige ihn‘ beieinander liegen“, meinte hinterher Barbara Stamm vieldeutig.

Action und Bewegung wechselten sich im Theaterstück ab mit ruhigen, nachdenklichen Szenen. Die live gespielte Musik der beiden Komponisten Martin Kleiner und Hans-Jürgen Beyer unterstrich das Geschehen, setzte Akzente und versetzte Schauspieler und Zuschauer mitten hinein in das Drama. Äußerst berührend untermalte zudem die Stimme der Sängerin Franziska Fasel aus dem benachbarten Oberwerrn die Stimmung.

Dank neuer Tontechnik, sichtbar über zwei riesige Bananen-Lautsprecher unterm Dach, kamen die Geräusche perfekt beim Zuschauer an. Für atmosphärische Bilder, etwa bei der Ölbergszene, aber auch beim Treffen des Hohen Rats, sorgte die neue LED-Leinwand in der Innenbühne.

Glücklich, dankbar und stolz, dass die erste von 18 Vorstellungen so gelungen war, zeigte sich beim anschließenden Empfang Vereinsvorsitzender Robert König. Alle prominenten Vertreter aus der Politik, Kirche und Verbänden waren sich einig, dass das Fränkische Passionsspiel Sömmersdorf nicht nur einmalig in Unterfranken ist, sondern „in einer Liga mit anderen Passionsorten spielt“, wie Landrat Florian Töpper sagte. Er würdigte ausdrücklich den Vereinsvorsitzenden König und dessen Mut, der belohnt werde.

Angesichts sich abzeichnender Mehrkosten für die Überdachung erklärte Bayerns Innenstaatssekretär Gerhard Eck: „Wir werden die Sömmersdorfer nicht im Stich lassen“. Gemeinsam mit Barbara Stamm, die auf ihren spontanen Wunsch hin als Mitglied in den Passionsspielverein aufgenommen wurde, lud er „eine größere Delegation“ nach München ein.

„Die einzigartige Entwicklung in Sömmersdorf“ thematisierte Euerbachs Bürgermeister Arthur Arnold. Er appellierte an die gemeinsame Verantwortung, die aus „dieser wunderbaren Passion, die unsere Herzen berührt“, entsteht. Angesichts so vieler Dank- und Lobreden blieb den Sömmersdorfern nur, glücklich zu feiern.

Text: Silvia Eidel, freie Journalistin

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Der Inhalt der Webseite wird aktuell auf die Spielsaison 2024 vorbereitet.
Demnächst finden Sie bei uns Informationen zur
"PASSION 2024"